Ich bin eine Soldatenfrau!

Nein! Ich bin nicht selbst bei der Bundeswehr! Aber ich stehe meinem Soldaten stolz und mit Herz zur Seite!

Wisst ihr was das für ein Leben ist?

Am Besten ich erläutere erst mal die Seite meines Mannes. Er ist nun schon seit unserem Abitur fest in der Bundeswehr verankert. Hat zig Lehrgänge, fast so viele Standortwechsel und ein Studium bis hin zum Master hinter sich gebracht. Von Auslandseinsätzen blieben wir bisher verschont, aber sein erster wurde bereits geplant.

Soldat liegend

Zielsicher hat er sich bis zum Posten eines Hauptmannes durchgekämpft und wird nun nach Ablauf seiner Zeitverpflichtung Berufssoldat. Auf seinen bisherigen Status „Soldat auf Zeit“ gehe ich besser nicht ein. Das kann ausschweifend werden 😉

Was das bisher für ihn bedeutet?

Grundlegend alle 2 Jahre umziehen. Manchmal waren die Fristen noch kürzer wegen zahlreicher Lehrgänge. Immer wieder neue Leute um sich. Eine Abhärtung, die auch auf seine Persönlichkeit abfärbte. Ein sicheres Arbeitsverhältnis. Anfeindungen von fremden Menschen, die ihn manchmal in seinen grünen Klamotten sahen. Das überwältigende Bedürfnis andere zu schützen weiter zu steigern.

Ich könnte die Liste noch weiter führen. Aber ich möchte in keinster Weise Mitleid wecken. Denn er wusste IMMER worauf er sich einlässt. Und er darf gern stolz auf seine Erfolge sein.

Kleiner Soldat

Was das für mich bedeutet?

Obwohl wir gemeinsam das Gymnasium besuchten, kamen wir erst nach dem Abitur zusammen. Beim Abschlussball. Sehr romantisch 🙂

Aber letztendlich bedeutete die Bundeswehr für mich von Anfang an eine permanente Fernbeziehung. Anfangs sahen wir uns nur alle zwei Wochen. Zeitweise fuhr er wöchentlich von Aachen in die Lausitz (1.400km hin und zurück!). Mittlerweile kommt er – insofern er nicht gerade wieder auf dem Truppenübungsplatz ist – wöchentlich nach Hause. Dennoch sind es immer nur 2,5 Tage, die wir miteinander verbringen können.

Was das für unsere Beziehung bedeutet?

Unser Lebensmittelpunkt richtet sich voll und ganz nach mir! Ich kann und will nicht alle zwei Jahre umziehen! Immerhin macht er in der Zeit auch Lehrgänge außerhalb und wäre dann auch wieder nicht zu Hause. Ich weiß nicht wie das viele andere Soldatenfrauen hinkriegen. Gehen die nicht arbeiten? Ich möchte mir einfach nicht alle zwei Jahre eine neue Wohnung suchen müssen. Einen neuen Job. Ja, ich würde ihn dafür täglich sehen. Aber auch erst nach seinem Dienstschluss. Der ist dank einiger Meetings der Offiziere auch gern erst nach 20 Uhr.

Auch wenn es einfach doof (es gibt kein passenderes Wort) ist, dass wir uns nur am Wochenende sehen. Wir haben uns damit arrangiert. Und es ist für uns entspannter.

Tarnung unserer Verteidigung

Wenn er am Freitag nach Hause kommt. Dann fliegt mir immer ein Küsschen und so ein riesiger, gut gefüllter, grüner Sack mit seiner Wäsche entgegen. Er würde seine Sachen ja alleine Waschen. Aber ich lasse ihn nicht. Es bedeutet mir etwas mich so um ihn kümmern zu können.

Oft versucht er am Wochenende all das zu erledigen, was er als dringend notwendig erachtet. Aber dann sack ich ihn ein und bestehe auf gemeinsame Ausflüge. Eben das bisschen Zeit, dass wir haben, möglichst gemeinsam verbringen. Dann darf gern auch mal etwas liegen bleiben.

Aber letztendlich bedeutet eine solche Beziehung vor allem eines: 

Vertrauen in seinen Partner – ohne Wenn und Aber!

Inwiefern?

Was wenn er beim Bund eine andere kennenlernt? Was wenn ich jemanden kennenlerne?

Wir brauchen einfach das Vertrauen ineinander, um nicht vor Eifersucht verrückt zu werden.

Fragt lieber nicht wie es mir anfangs ging als er sich beim Biwak freiwillig meldete mit der einzigen Frau der Truppe das Zelt zu teilen! Oder dass alle in der Kaserne glaubten er wäre mit der Kameradin liiert mit der er immer abhing. Sie war übrigens selbst verheiratet.

Ohne Vertrauen geht eben nichts!

Kinder und ihre SoldatenpapasUnd für unser Kind?

Anfangs belastete es vor allem mich. Immerhin war ich bereits 2 Wochen nach der Geburt ganz allein mit unserem Kind. Nach einem Kaiserschnitt.

Dann war es für den Kleinen schwer. Er fremdelte! Ich werde nie das Schreien vergessen als der Papa plötzlich in seinen grünen Klamotten vor ihm stand.

Später war es dem Kleinen egal. Es war einfach so, dass der Papa ab und an nicht da ist.

Und nun?

Ist der Papa da. Soll er weg. Ist er weg. Soll er schnell nach Hause kommen. Daher hat er nun Skype für sich entdeckt und kaut dem Papa jeden Abend ein Ohr ab.

Ich mag mir gar nicht vorstellen wie es wird, wenn der Papa in den Einsatz muss.

Warum ich diesen Beitrag schreibe?

Wie oft höre ich:

„Dein Mann ist beim Bund? Ist das nicht gefährlich?“

Klar! Besonders wegen Anfeindungen von desorientierten Patrioten. Auch ein Auslandseinsatz ist riskant. Aber sterben nicht mehr Menschen im eigenen Haushalt? Bei einem Autounfall? Oder einfach beim Überqueren einer Straße?

„Was macht dein Mann denn so hier in Leipzig bei denen mit den Panzern?“

Äh, nichts. Denn er ist hier nicht stationiert.

„Hä? Wo ist er denn dann?“

Na, eben nicht in Leipzig! Er pendelt immer am Wochenende.

„Willst du ihm  nicht mal nachziehen?“

Nö. Müsste ich ja ständig umziehen.

Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon solche Gespräche geführt habe. Langsam wird es etwas nervig. Was ist bei uns so anders als bei anderen Fernbeziehungen mit einem pendelnden Partner?

Ich will mit diesem Beitrag schlicht und einfach etwas aufklären. Einen minimalen Einblick in das Leben einer Soldatenfrau geben. Es gibt natürlich noch einiges mehr dazu zu berichten, aber wenn ihr bis hierher gelesen habt, dann habt ihr schon viel zu viel vorgesetzt bekommen. Gern lasse ich mich also noch mal anderweitig dazu aus.

Zum Abschluss meines Outings

Ich bin sehr stolz auf meinen Mann und die Arbeit die er hat. Das ist ein Job! Einen den er mit viel Leidenschaft begeht und in dem er aufgeht!

Ich bin stolz ihm bei seinen beruflichen Erfolgen zur Seite zu stehen.

Ich bin stolz darauf für ihn da sein zu dürfen, wenn mal etwas nicht so läuft wie es soll.

Aber vor allem bin ich dankbar!

Dankbar ihn zu haben.

Dankbar bei ihm sein zu dürfen.

Dankbar für den Schutz, den er uns gibt.

Dankbar eine Soldatenfrau zu sein.