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„Du musst deinem Mann was ordentliches kochen! Er hatte eine stressige Autofahrt.“

Glaubt es oder nicht, der Spruch kam nicht von meiner Schwiegermutter!

Sondern, von meiner eigenen Mutter!!!

Ist das zu glauben?

Sie hätte in kein größeres Fettnäpfchen treten können. Vor allem an dem Tag.

Wie es dazu kam

Wir haben als Familie eine Whatsapp-Gruppe. Wie wahrscheinlich so viele ;)

Regelmäßig…wenn es nach meinem Bruder geht so gar täglich…tauschen wir uns aus. Da wandern schon mal ein paar Katzenbilder, lustige Videos oder Bilder vom Wetter unserer jeweiligen Wohnorte hin und her.

An dem Tag waren die Straßen mal wieder glatt, verschneit und einfach ungemütlich.

Plötzlich fragte meine Mutter in unserer Gruppe, ob mein Gatte die Strecke zwischen Kaserne und Leipzig mit dem Auto fährt. Anmerkung: Er fährt täglich gut eine Stunde pro Strecke.

Ja, er war zu dem Zeitpunkt unterwegs und ich erwartete ihn innerhalb der nächsten Minuten daheim.

„Na, dann mach was ordentliches zum Abendessen. Fahren schlaucht bei diesem Wetter.“

Mir viel die Kinnlade hinab.

Hatte sie das wirklich geschrieben?

Sie, die genau weiß, wie es ist, Job, Haushalt und Kind(er) unter einen Hut zu bringen?

Meine Reaktion

„Er will eh nur Salat ? Wenn er ankommt, kann ich losdackeln und noch welchen kaufen. Waschmaschine und Geschirrspüler laufen schon. Müll bringe ich dann auch noch runter. Auto ist auch schon getankt…hm, fahren bei dem Wetter schlaucht? Ist mir gar nicht aufgefallen. Bin ja selbst durch die Stadt. Und das ist weit schlimmer als sein Weg von der Kaserne nach Hause.“

Ja, es war nicht sofort ersichtlich. Aber ich musste mir das in dem Moment von der Seele schreiben. Auch wenn meine Mutter es in dem Moment wahrscheinlich nicht verstanden hatte.

Während mein Mann also eine Stunde extrem anstrengende Fahrt auf einer geräumten und gesalzenen Straße mit mäßigem Verkehr hinter sich gebracht hatte, war ich 45 Minuten im Feierabendverkehr unterwegs, hatte das Kind bei der Kita abgeholt, war tanken, hatte die Waschmaschine und den Geschirrspüler bestückt, das Kind bespaßt und den Müll bereits für die Tonne bereitgestellt. Dann kam mein total gestresster Mann nach Hause und ich brachte doch tatsächlich noch den Müll runter, ging einkaufen und machte doch tatsächlich noch Abendessen.

Aber mein Mann hatte ja eine total stressige Fahrt auf einer – ich muss es einfach noch mal anmerken – geräumten, fast freien Straße.

Das Ganze ist nun schon ein paar Tage her, aber ich bin immer noch geschockt, sauer, genervt.

Ja, mein Mann geht länger arbeiten. Dafür muss er sich aber auch kaum um die anderen Dinge kümmern.

Ich bringe das Kind in die Kita. Und hole es auch jeden Tag wieder ab.

Ich gehe auch arbeiten. Wenn auch nur 30 Stunden.

Ich kämpfe mich auch täglich durch den Verkehr.

Ich sorge dafür, dass alle saubere Kleidung haben.

Ich kümmere mich um das Essen.

Und leider auch viel zu oft um den Müll.

Hier ist nun viel „Ich“. Aber ist das was ich täglich leiste so viel weniger wert als die Leistungen meines Mannes?

Hat meine Mutter nun dieses Alter erreicht?

Ihr wisst schon was ich meine. Dieses gewisse Alter, wo man anfängt sich immer mehr wie die Person zu verhalten über die man sich früher immer beschwert hatte. Ja, ihre eigene Mutter.

Sie konnte es nämlich so gar nicht leiden, wenn meine Oma ein paar Spitzen zu Haushalt und Kindererziehung von sich gab.

Nun machte es meine Mutter aber irgendwie nicht anders.

Sie steckte plötzlich in einer Welt fest, in der der Mann gehegt und gepflegt werden muss. In einer Welt, in der er einen sehr harten Job hat und selbst eine Autofahrt schon zu anstrengend ist.

Dabei war vollkommen unerheblich, ob mein Tag vielleicht noch einen Tick anstrengender war.

Und was sagte mein Mann dazu?

„Ihr habt echt Probleme! Ich habe das gelesen als ich an der Ampel stand und wollte euch schon zurückschreiben, dass ihr eure Klappe halten sollt und ich dringend mal schiffen muss!“

Hach, er findet immer so seichte und liebevolle Worte.

Meint ihr nicht auch?

Ach ja, am Ende standen wir gemeinsam in der Küche und machten Salat mit angebratenen Garnelen ;)

Tags:
Anne

Teilzeit-Alleinerziehend, aktuell leidenschaftliche Hausfrau, manchmal überfordert, Mama eines zuckersüßen Buben, Soldatenfrau, ein wenig verrückt und mit ganz viel Herz ausgestattet.

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2 Comments

  1. Frau Kröhnchen 27. Januar 2017

    Das hätte original von meiner Mutter kommen können :| Manchmal kommt es mir vor, als wäre nicht ich ihr Kind sondern mein Mann.

    Mitfühlende Grüße
    Frau Kröhnchen

    Antworten
    1. MamaAR 27. Januar 2017

      Komisch, dass die Mütter die Männer direkt adoptieren :D Dabei hat meine Mutter doch schon zwei eigene Söhne.

      Danke für deine Anteilnahme!

      Viele Grüße
      Anne

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