Auch ich stellte fest, dass ich selbst dieses einfache Wort – zu dem ich mein eigenes Kind ständig ermahne – nicht all zu oft im Leben einsetze.

Ja, ich sage danke, wenn mir jemand etwas gibt oder mir auf Arbeit eine Zuarbeit leistet.

Ja, ich sage danke, wenn mir jemand einen schönen Tag wünscht. Und ich sage stets gleichfalls!

Ja, ich sage danke, wenn mein Kleiner das macht was er soll.

Aber, ich habe nie wirklich denen gedankt, die mir im Leben so wichtig sind.

Es gibt eine Reihe von Menschen, denen ich Danke sagen will…einfach sagen muss!

Meiner Uroma:

Dieses Danke ist vielleicht etwas schräg. Denn ich lernte diese Frau nie kennen. Aber es wurde oft und viel von ihr gesprochen. Sie war eine tapfere Frau, mit Weitsicht und Stärke. Sie brachte 11 Kinder zur Welt, überlebte 2 Männer, überstand die Flucht aus Schlesien und besaß dabei so viel Weitsicht, dass sie alle wichtigen Dokumente (Besitz- und Geburtsurkunden) bereits in einem Koffer eingepackt hatte. Diesen Koffer gibt es noch heute! Und er ist schon fast zu einem Symbol für diese Frau geworden. Ich bin dieser Frau dankbar, dass sie eine solch unvorstellbare innere Stärke hatte und dennoch ein liebevoller Mensch war, an den sich mein Vater mit einem Lächeln zurückerinnert. Du bist mein Vorbild!

Meinen Eltern:

Ihr habt drei Kinder groß gezogen! Ihr habt uns stets gleich behandelt. Und uns so viel ermöglicht. Durch euch haben wir Selbständigkeit gelernt. Und wenn uns diese doch mal verlässt, dann seid ihr da, um uns halt zu geben. Manchmal kommen wir uns wie dressierte Hündchen vor, wenn wir euch sofort Bescheid geben sollen, dass wir krank sind oder ein Problem haben. Aber das ist ein Zeichen eurer Liebe. Ihr seid keine Menschen, die gern kuscheln. Aber das hat auch etwas mit der Zeit zu tun, in der ihr aufgewachsen seid. Diese verlieh euch eine innere Stärke, die ihr auch uns – euren Kindern – mit auf den Weg gegeben habt. Ihr zeigt uns so oft und in so vielfacher Weise eure Liebe, sodass wir stets wissen, dass wir – egal welche Probleme uns gerade belasten – ihr für uns da seid und ein offenes Ohr habt. Spätestens als ich meine neue Arbeitsstelle antrat, mein Mann gerade auf dem Truppenübungsplatz war und der Kleine Scharlach bekam wusste ich wie viel ich an euch habe. Ihr habt damals einfach alles stehen und liegen gelassen und seid die fast 3 Stunden zu uns nach Leipzig gefahren, um euch um euren Enkel zu kümmern und mir einen guten Start in die neue Arbeitsstelle zu ermöglichen. Ohne euch hätten wir eine riesige Lücke in unserem Leben, die keine füllen könnte. Danke! Tausend Dank, dass wir eure Kinder sein dürfen!

Meinem Mann:

Dir bin ich auf eine Einzigartige Weise dankbar. Du bist mein Halt, wenn ich selbst die Stärke nicht habe. Du erträgst meine verrückten Momente und tust sie nur manchmal mit einem sarkastischen Lächeln ab. Du machst allen Quatsch mit – und stachelst mich auch selbst manchmal zu welchem an. Du bist an meiner Seite, wenn ich dich brauche – wenn auch manchmal nur per Telefon, da deine Arbeit dich oft von uns wegreisst. Du bist die Liebe meines Lebens! Danke, dass du immer für mich da bist!

Meinen Großeltern:

Ich hatte das Glück zwei Opas und zwei Omas zu haben. Auch wenn der erste bereits Anfang der 90er Jahre starb, erinnere ich mich daran, dass er gern mit mir kuschelte und vor allem an sein warmes Lächeln. Ihr alle wart immer da, wenn unsere Eltern jemanden in den Ferien zum Betreuen brauchten. So verbrachte ich sehr viel Zeit bei euch und durfte von eurem Einfluss profitieren. Auch wenn ich oft in meiner jugendlichen Naivität die Augen verdrehte. Ihr habt stets ein offenes Ohr für mich gehabt. Mich unterstützt, wenn ich ein Gedicht für die Schule auswendig lernen musste – ja, Oma, ich weiß noch wie ich dir bei jeder Mahlzeit den Erlkönig oder den Zauberlehrling aufsagte – oder als ich im Handarbeitskurs nähen, stricken, sticken oder häkeln musste. Auch ohne euch würden mir im Leben wertvolle Erfahrungen fehlen. Ich danke euch dafür. Ich habe euch alle lieb!

Gerade heute gedenke ich besonders meinen Großeltern! Nur wenige Wochen nach der Geburt meines Sohnes verstarb mein zweiter Großvater an den Folgen von Lungenkrebs. Oh, er hatte ein gutes, ein langes Leben. 2 Kinder, 6 Enkelkinder und 3 Urenkelkinder. Selbst die Diamantene Hochzeit gefeiert und die Eheschließungen der eigenen Kinder sowie von 4 Enkelkindern erlebt. Das kann nicht jeder von sich behaupten! Er war ein ruhiger Felsen in der Brandung, der aber auch mal hart durchgreifen konnte. Mit einigen Taten bringt er uns noch heute zum Schmunzeln. Großvater! Wir vermissen dich!

Heute! Um 10 Uhr findet ein weiterer, schmerzlicher Termin statt. Ich kann leider nicht dabei sein. Und das tut sehr weh. Meine Großmutter verstarb vor knapp einem Monat. Nach Monaten in Krankenhaus und Pflegeheim war es eine Erlösung. Aber dadurch tut es nicht weniger weh sie verloren zu haben. Sie gab stets den Ton daheim an. Sie versorgte Kinder, Mann, Haus, Hof und Tiere. Später dann ihre Enkelkinder. Sie erzählte oft, dass sie zu früh und zu klein auf die Welt kam und man daher den Pfarrer zur Nottaufe rief. Sie kam an Silvester zur Welt. Jedes Jahr Feuerwerk! Das war auch für uns Enkel immer ein Highlight. Sie musste aus Schlesien fliehen und kam in die Lausitz. Sie musste erst in einem unbekannten Gebiet Fuss fassen. Aber sie schaffte es.

Als ich mal fragte, wie sie und ihr Mann sich kennen lernten, konnten die Antworten nicht unterschiedlicher sein. Sie gab ja immer den Ton an, also antwortete sie sofort: „Das war am Tanzabend.“ Er, zaghaft und mit einem kleinen Lächeln: „Nein. Sie hat auf der einen Seite der Spree die Wäsche aufgehangen und ich habe das Gras gehauen.“ Sie zeigten sonst nie ihre Liebe. Aber das war so schmerzlich süß und wird mir bis ans Ende meines Lebens in Erinnerung bleiben.

Auch sie war für ihre Kinder ein starker Halt. Sie tippte zum Beispiel für ihren Sohn die Diplomarbeit mit der Schreibmaschine ab. Ja! Damals gab es noch keine Computer. Lasst da mal einen Fehler auf einer Seite sein. Das wirkt sich oft auch auf alle anderen, nachfolgenden Seiten aus! Wenn ich mal krank war, war ich bei ihr. Ich durfte den ganzen Tag Fernseh gucken und für meine Puppen aus Stoffresten Kleider nähen. Sie brachte mir häkeln und stricken bei. Sie zeigte mir, wie ich aus Löwenzahn und Wasser tolle Kringel zaubern konnte. Sie hörte mir oft zu, auch wenn sie meist nur die Hälfte von dem Verstand, was ich sagte.

Sie erfreute sich sehr an ihren Urenkeln. Vor allem mit den Jungen hatte sie den meisten Kontakt. Sie erzählte bis zuletzt oft und mit einem Strahlen, wie der älteste Urenkel (Sohn meines Cousins) an Ostern die gekochten Eier noch beim Sammeln aufmampfte. Er aß wohl alle auf. Ob das so gut war, sei dahin gestellt. Sie erfreute sich schlicht an seinem Appetit. Was mir aber fest im Kopf verankert ist, ist das Bild wie sie gemeinsam mit meinem Sohn und einer Gießkanne durch den Garten zog, um die Blumen zu gießen. Er fragt oft nach dir, aber ich sage ihm nun, dass du an einem besseren Ort und wieder mit deinem Albert vereint bist.

Es tut mir im Herzen weh, dass ich heute nicht gemeinsam mit der Familie, deinen verbliebenen Freunden und allen anderen, die kommen um deiner zu Gedenken, von dir Abschied nehmen kann. Ich schreibe hier mit Tränen in den Augen und ringe mir ab und an ein Lächeln für deinen Ur-Enkel ab, der neben mir sitzt. Ich vermisse dich! Ich denke viel an dich! Und ich versuche dich heute – aber auch in Zukunft – auf meine Art und Weise in Ehren zu halten! Ich stricke! Ich häkle! Und ich versuche mein Leben in einer solch ruhigen Art zu führen wie du es getan hast.


Ich weiß, dass war ein langer Text! Ein langes Danke! Aber ich musste es mir einfach von der Seele schreiben und auf diese Art teilen. Also auch euch ein Danke, wenn ihr bis hier her gelesen habt 😉