Wieder sitzen wir daheim, wieder sind die Schulen geschlossen, wieder händeln wir Mütter Kinder, Schule, Haushalt und Arbeit zeitgleich. Und der Witz: Es gibt selbst nahezu ein Jahr nach Beginn der Pandemie noch immer keine geeigneten Lösungen durch die Regierung.

Ein paar Gedanken zur aktuellen Situation

Hilfe beim Heimunterricht

Machen wir uns nichts vor: Nur wenige Männer bleiben in den nächsten Wochen daheim und kümmern sich um den Heimunterricht.

Bei uns ist es so, dass mein Mann prinzipiell Homeoffice machen könnte. Was jedoch von den Vorgesetzten nicht gewünscht und daher nur mäßig möglich ist. Und selbst, wenn er daheim arbeiten würde, kann er es wegen dem Homeschooling nicht in Vollzeit. Die Erkenntnis hatte mein Mann bereits letzte Woche. Er hat an mehreren Tagen den Unterricht übernommen und war – für ihn – unerwartet stark eingebunden.

Die Erkenntnis ist gut. Hilft mir aber nicht weiter. Denn sobald ich wieder fit bin, muss ich wieder Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut bringen.

Zum Glück hat die Oma schon wieder angekündigt zu helfen. Leider sind die derzeitigen Aufgaben der Lehrerin nicht immer für den Fernunterricht geeignet. Sodass, die Unterstützung nur einen Teil des Homeschoolings abdecken wird.

Technische Unterstützung

Was mir wirklich sauer aufstößt: Wir haben LernSax in Sachsen. An sich ein gutes Mittel für einen Datenschutzkonformen Austausch mit der Lehrerin und anderen Schülern. Würde es nicht ständig abstürzen.

Scheinbar wurde bei der Entwicklung die Serverlast unterschätzt. Letzte Woche war es im Tagesverlauf gern mal komplett dicht. Sodass ich Abends nach 20 Uhr die Seite checkte, mich einloggte und endlich die Nachrichten der Lehrerin lesen konnte. Blöd nur, dass sie darin von Fehlern bei den Aufgaben schrieb, die am Tag schon gemacht wurden. Weshalb einiges doppelt und dreifach durch meinen Sohn abgearbeitet wurde.

Ich wäre ja dafür, dass die Lehrerin mal eine Unterrichtseinheit über Videochat anbietet. Aber mit LernSax ist das definitiv nicht möglich. Einfach zu instabil.

Leider lässt uns die Lehrerin – bis auf den Mail-Kontakt – mit dem Homeschooling recht allein. Es bleibt zu befürchten, dass sie auch keinen Unterricht via Videochat anbieten wird. Auch wenn von uns Eltern gewünscht und unterstützt. Ich vermute, dass hier auch das technische Knowhow fehlt.

Kind-krank-Tage für das Homeschooling

Ich war letzte Woche überrascht als unsere Kanzlerin in ihrer Rede die Möglichkeit gab die Kind-krank-Tage für das Homeschooling zu nutzen. Und sie wurden auch aufgestockt. Auf sage und schreibe 20 Tage pro Elternteil für 2021.

Der Haken: Würden wir die Tage jetzt für das Homeschooling nutzen, wären sie bis Februar bereits aufgebraucht.

Wie ich aber nun leider erfahren habe, dürfen diese Tage für das Homeschooling erst ab dem 19.01.2021 verwendet werden. (Wer bitte wählt einen Tage mitten in der Woche???) Also alles für die Katz.

Gratwanderung Homeoffice

An sich eine gute Sache. Also, dass ich jetzt zu Pandemiezeiten zu Hause arbeiten kann. Blöd nur, dass ich eigentlich drei Monitore brauche und das Arbeiten im Büro eben einfach anders ist. Ich habe das Glück, dass mein Arbeitgeber die Möglichkeit für das Homeoffice bietet. Auch wenn das meiner Kollegin nicht wirklich in den Kram passt.

Aufgrund der Sicherstellung der Kinderbetreuung bin ich einfach auf das Homeoffice angewiesen. Ich arbeite nicht in einem Systemrelevanten Beruf, kann Notbetreuungen nicht in Anspruch nehmen, dennoch ist meine Arbeit wichtig.

Oft ist es für mich eine Gratwanderung. Ich bin Anlaufstelle für meinen Sohn, wenn die Technik streikt und Oma via Facetime nicht erreichbar ist. Oder wenn die beiden bestimmte Unterlagen suchen. Gern steht mein Sohn dann neben mir, während ich mit einem Mandanten telefoniere oder gerade mitten in einer Abrechnung stecke. Reißt mich damit aus meinen Gedankengängen und ich fange später bei Null an oder verhaspel mich mitten im Gespräch. Es ist dann eine Zerreißprobe und erfordert mehr als Multitasking.

Ich kann mein Kind doch nicht den ganzen Tag vor Fernseher oder Spielekonsole parken, um in Ruhe arbeiten zu können.

Mein Fazit zur aktuellen Lage

Die Regierung hat es wieder verpennt.

Es wird sich darauf verlassen, dass die Arbeitgeber rücksichtsvoll sind und ihre Mitarbeiter unterstützen. Die extra Kranktage sind ein Witz. Hier wäre es besser weiterhin eine Entschädung zu bieten, die der Arbeitgeber im Namen seines Arbeitnehmers beantragen kann. Ansonsten hagelt es in Kürze Entlassungen bzw. zahlreiche Anträge auf Arbeitslosengeld. Denn nicht jedes Unternehmen kann sich dieses Ausfall auf Dauer leisten. Und die Arbeitnehmer erst recht nicht.

Präsenzunterricht muss es nicht sein, aber die Technik ist auch nicht ausgereift. Andere Länder haben eigene TV-Programme gestartet, um den Unterricht via TV vorzunehmen. Einige Schulen nutzen trotz der heiklen Datenschutzsituation Google Class-Room, werden dafür aber gern abgemahnt. Hier gibt es definitiv eine gehörige Portion Nachbesserungsbedarf. Denn Lüften kann doch nicht alles sein, was sich die Kultusminister ausdenken. Immerhin stecken wir schon fast ein Jahr in dieser Pandemie und werden sicher noch ein weiteres Jahr damit zu tun haben.

Hier sind endlich ordentliche Lösungen gefragt!

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Teilzeit-Alleinerziehend, Teilzeit-arbeitend, manchmal überfordert, Mama eines zuckersüßen Buben, Soldatenfrau, ein wenig verrückt und mit ganz viel Herz ausgestattet.

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