Ja, ich schäme mich wirklich. Und das nicht zu knapp.

Nicht, weil auch andere Eltern mitbekamen, dass ich meinem Kind nicht mehr jedes Wort glaube. Sondern auch weil mich selbst diese Erkenntnis schwer traf.

Aber warum glaube ich meinem Kind nicht mehr?

Kennt ihr die Geschichte von Peter und dem Wolf?

Nicht? Dann hier die Kurzfassung:

Peter sollte die Schafe hüten und das wurde ihm dann irgendwann zu langweilig. Also rief er ganz laut „Wolf“. Alle kamen angelaufen. Denn man befürchtete, dass Peter und die Schafe in Gefahr seien. Doch sie erkannten, dass er gelogen hatte und schimpften kurz mit ihm. Dann gingen sie zurück in ihr Dorf und an ihre Arbeit. Peter machte das noch ein paar Mal. Am Ende kam dann der Wolf aber wirklich und keiner glaubte ihm noch.

Die Moral? Lüge nicht! Und wenn, dann erzähle nicht mehrfach die selbe Lüge.

Doch was hat das mit meinem Kind zu tun?

Tatsächlich recht viel. Denn leider erzählt er mir all zu oft Dinge, die nicht wahr sind. Ich möchte nicht das Wort Lüge in diesen Satz bringen. Auch wenn das wahrscheinlich den Nagel auf den Kopf trifft. Aber Kinder in dem Alter können noch nicht ganz verstehen was lügen bedeutet. Daher sagte er mir einfach nicht die Wahrheit.

Es sind dabei recht unterschiedliche Dinge. Oft sagt er, dass er Bauchschmerzen hat. Was jedoch meistens eher Hunger oder Blähungen sind. Denn Süßigkeiten gehen dennoch rein. Und die Bauchschmerzen sind auch wie von Zauberhand weg, wenn man ihm erklärt, dass er mit Bauchschmerzen kein Eis oder Gummibärchen haben kann.

Sogar noch öfter kommt es vor, dass er von der Toilette kommt, ich ihn frage, ob er sich die Hände gewaschen hat und er ja sagt. Das Waschbecken ist trocken, es war kein Wasserhahn zu hören und naja, ich habe eben einen Riecher dafür. Das kommt sogar täglich vor. Leider habe ich mir da schon angewöhnt auf sein „ja“ mit „Warum glaube ich dir nicht?“ zu antworten.

Ja, ich glaube meinem Kind nicht mehr.

Wie Peter schrie er zu oft Wolf.

Nun kam es, dass er mir diese Woche mehrfach sagte, dass er einen Apfel mit in die Kita bringen muss. Sie wollen Apfelmus machen. Aber nur Kinder, die einen Apfel mitbringen dürfen mitmachen. Der muss aber im Ganzen sein.

Ich glaubte ihm nicht!

Sonst gibt es für solche Aktionen einen Aushang. Und nachdem ich mal unbedingt nach Wunsch meines Sohnes Tonpapier mitgeben musste, obwohl noch welches da war, bin ich hier schon sehr vorsichtig.

Doch heute früh passierte es.

Auch ein anderes Kind forderte vor meinen Augen ihre Mutter dazu auf, dass er HEUTE einen Apfel mitbringen sollte. Nur sagte dieses Kind nicht warum.

Wir sahen uns ratlos an und fragten eine Erzieherin vor Ort. „Ja, heute machen die Kinder Apfelmus. Sie sollten lernen sich solche Sachen zu merken und von allein den Eltern weiter zu geben.“

Ernsthaft? Ohne Vorwarnung soll mein Kind nun solche Sachen leisten? Wäre ich doch nur zum Elternabend dabei gewesen. Aber da war mein Sohn krank und ich konnte keinen Babysitter finden. Die Informationen, die mir die Erzieherin mitgab waren auch nur eine Kopie aus irgendeinem Lehrbuch zur Kindererziehung. Ich wusste also nichts davon.

Aber ich möchte mich nicht herausreden. Denn das Hauptproblem ist ja, dass ich meinem Sohn keinen Glauben schenkte.

Mit einem schlechten Gewissen verließ ich die Kita, fuhr schnell zum nahen Supermarkt, kaufte Äpfel und brachte meinem Sohn schnell noch einen in die Kita.

Er nimmt es mir nicht krumm, aber mir geht es Elend.

Denn wie kann ich nun wieder den Glauben in mein Kind gewinnen ohne, dass er mich austrickst? Mein Bauchgefühl ist hier ja leider nicht mehr zuverlässig.

Habt ihr Tipps, Ratschläge, Empfehlungen? Denn aktuell bin ich doch recht verzweifelt.