Nicht nur Blogger nehmen an unserer Parade teil. Jennifer wurde von Sylvia dazu aufgerufen ihre Geschichte zu erzählen. Und das hat sie!

Ich kann euch diesen Beitrag nur sehr nahe legen, denn mich hat er sehr berührt. Denn das hier ist eine Seite mit der ich nicht gerechnet habe. Lest selbst!

Vielleicht erstmal ein paar Worte zu meiner Familie und mir

„Ich bin Jenny, noch bin ich 33 Jahre jung und habe 4 Kinder. Die Mädels sind 13 Jahre und 5,5 Jahre alt und die Jungs 4 Jahre und 5 Monate alt.

Verheiratet bin ich seit 8 Jahren mit meinem Mann, der inzwischen Berufsoldat ist und vor 4 Jahren in die Offizierslaufbahn gewechselt ist.

Vor 3,5 Jahren haben wir ein Haus gekauft, weil wir uns bewusst dafür entschieden haben, dass ich mit den Kindern zu Hause bleibe, in ihrer gewohnten Umgebung, in der Nähe unserer Familien. 

Im Nachhinein eine weise Entscheidung, denn nach 2 Fehlgeburten vor 7 Jahren bin ich krank geworden und habe die Diagnose „schwere Depression“ bekommen. Seit dem ist nichts mehr, wie es war und unser Leben ist ein gutes Stück komplizierter geworden.

Seit anderthalb Jahren ist mein Mann wieder 45 Minuten von zu Hause entfernt „stationiert“, davor die drei Jahre war er jeweils 500 km von zu Hause weg, zwei Jahre Niedersachsen und ein knappes Jahr in der Nähe von München. Diese drei Jahre waren heftig, wir haben zwei Kids im Abstand von 18 Monaten bekommen und ein Haus gekauft, mein Mann war nur die Wochenenden da, kam Freitag Abends nach Hause und musste Sonntags Abends wieder fahren.

Obwohl meine Schwiegereltern mich immer sehr unterstützt haben und auch versucht haben, mich hin und wieder zu entlasten, habe ich wieder einen Depressionsschub bekommen und weil wir das erst viel zu spät erkannt haben, bin ich so tief abgestürzt wie noch nie zuvor in meinem Leben… Ich habe sehr gekämpft, um aus diesem Loch wieder herauszukommen, aber es hat insgesamt 3 Jahre gedauert, bis ich soweit war, dass ich stabil bin. Dazu war ein 2 monatiger Klinikaufenthalt notwendig, der Fahrtweg dorthin betrug 2 Std. Mit hartem Kampf, Medikamenten und einer 1mal wöchentlich stattfindenden Gruppentherapie bin ich seit der Geburt meines vor 5 Monaten geborenen Söhnchens stabil. Ich habe natürlich wie jeder Mensch gute und weniger gute Tage, aber die guten Tage überwiegen inzwischen.

Allerdings komme ich schneller an meine Grenzen, bin schneller gereizt und habe noch einige Symptome behalten, von denen ich hoffe, dass sie irgendwann wieder verschwinden. (Gedächtnislücken, Wortfindungsstörungen, bin schneller gereizt und spüre meine Gefühle selten.)

Wie schafft ihr das Leben als Soldatenfrau? Baut ihr auf besondere Organisationstalent?

Das Leben habe ich mir natürlich anders vorgestellt. In meiner Vorstellung lief es so ab, dass ich meinem Mann den Rücken frei halte, dass ich Haus, Garten und Kinder perfekt im Griff habe und nebenbei noch arbeite und so meinen Beitrag zum Familieneinkommen zusteuere.

In der Realität bin ich dann ziemlich unsanft angekommen. Ich habe Haus und Kinder meist ganz gut im Griff, um den Garten kümmern sich meine Schwiegereltern mit Hingabe und wenn nötig helfen sie auch im Haushalt mit.

Seit der letzten Schwangerschaft habe ich (auf Grund von Komplikationen) eine Putzfrau, die ich nach der Geburt kurzerhand behalten habe. Ich rauche nicht, ich trinke nicht, ich habe 4 Kinder und 1mal die Woche Unterstützung beim putzen, das gönne ich mir.

Wenn mein Mann also auf Lehrgang muss (zur Zeit immer mal für 1 oder 2 Wochen) dann stehen meine Schwiegereltern (die Besten, die man sich wünschen kann) oft parat und helfen mir. Die Große ist mir mit ihren 13 Jahren auch eine große Hilfe und unterstützt mich sehr.

Die beiden Mittleren müssen wir gut vorbereiten, wenn Papa auf Lehrgang fährt, ganz besonders der 4 jährige hängt sehr an ihm. Da passiert es schonmal, dass er nicht mehr er selbst ist und komplette Ausraster in Form von schreien, toben, sich auf den Boden werfen bekommt. Das geschieht oft, wenn er müde ist und Auslöser kann schon eine winzige Kleinigkeit sein.

Inzwischen haben wir das Ganze aber recht gut im Griff…

Wenn Männe also auf Lehrgang ist, wird dann ein großer Bilderrahmen hervorgeholt, wo ein Bild von Papa in Uniform ist und einer Tabelle mit 5 Kästchen (meist kommt er ja die Wochenenden heim.). Jeden Tag wird dort ein Smiley eingetragen. So können sich die Kids bildlich vorstellen, wie oft sie noch schlafen müssen, bis Papa wieder nach Hause kommt.

Natürlich wird auch jeden Tag mit Papa telefoniert und wenn es möglich ist, bekommen sie auch immer eine Kleinigkeit mitgebracht… so halten wir die Kids bei Laune…

Seid ihr selbst Soldat oder steht ihr eurem Soldaten stolz zur Seite?

Letzteres. Ich selbst bin gelernte Krankenschwester. Als meine Älteste noch klein war, hatte ich mal kurz den Anflug, zur Bundeswehr gehen zu wollen, aber als damals Alleinerziehende war ich denen wohl etwas zu teuer… Gott sei Dank…

Welchen Herausforderungen stellt ihr euch regelmäßig?

Die Bundeswehr ist eine Herausforderung für sich… mein Mann hat Anfang des Jahres Wünsche für Lehrgänge eingereicht. Da hieß es dann ständig, es ist kein Geld dafür da. Jetzt sind Sommerferien, der Kindergarten hat 3 Wochen geschlossen und davon ist mein Mann zwei Wochen weg. 1 Woche Berlin, eine Woche Hamburg. Ich hätte schreien können…

So viel also zu der viel gelobten „familienfreundlichen“ Bundeswehr.

Die andere Herausforderung ist, meinen Mann zu motivieren, sich von seinem Standort wegzubewerben. Denn dort geht er kaputt. Er braucht Soldaten um sich herum, nicht wie im Moment Zivilisten und einen Chef, der keine Soldaten mag und deshalb nicht mit ihm redet.

Bis heute hat ihm niemand zur Geburt unseres Kindes gratuliert. Er fühlt sich dort einfach nicht mehr wohl und auf der anderen Seite möchte er nichts ändern, weil er Angst hat, ich bekomme den nächsten Schub.

Aber inzwischen bin ich aufgeklärter, ich habe einen Therapeuten und Medikamente. Und wenn es mir schlecht geht, dann kann ich mir meinen Stress von der Seele reden, wenn ich Gruppentherapie habe. Das hilft mir wirklich sehr.

2017 steht sowieso die nächste Versetzung an. Entweder 50 Minuten Fahrtweg von hier- oder 2,5 Stunden… ersteres ist der absolute Traumjob von meinem Mann, letzteres eher nicht… aber es ist eine Kaserne um ihn herum, mit Soldaten, also selbst das ist besser, als das, was wir momentan haben…

Würdet ihr manches anders machen?

Hätten wir damals gewusst, wie schlimm meine Erkrankung zwischenzeitlich sein kann, dann hätte mein Mann nach den 12 Jahren SaZ aufgehört und wäre in die freie Wirtschaft gegangen.

Ich wünsche mir oft, nicht krank geworden zu sein, damit mein Mann sich einfach auf seinen Job und seine Karriere konzentrieren kann und nicht ständig im Hinterkopf haben muss, mir evtl zu viel zuzumuten… ich habe oft ein schlechtes Gewissen, weil ich nicht so funktioniere, wie ich gerne möchte.

Nun versuchen wir, es zu nehmen, wie es kommt.

Immer einen Tag nach dem anderen. Und zwischendurch einfach auch mal fünfe gerade sein lassen.

Was sind eure Highlights daran, eine Soldaten Frau zu sein?

Da er ja zur Zeit „kein richtiger Soldat“ ist, wie er selbst sagt, habe ich seit er die Offizierslaufbahn eingeschlagen hat noch keine positiven Highlights erlebt.

Also sehe ich zur Zeit die Tatsache als solches an, in der glücklichen Position zu sein, nicht arbeiten gehen zu müssen und so meinen Teil beizusteuern. Ihm trotz Erkrankung den Rücken freizuhalten und ihn so zu unterstützen, sein Ding durchzuziehen.

Bringt ihr Job und Soldatenfrau sowie Teilzeitbeziehung unter eine Decke, oder zieht ihr gemeinsam mit eurem Partner regelmäßig um?

Ich bin zur Zeit Vollzeit-Mum und Hausfrau, damit bin ich voll ausgelastet. Da wir vor 3,5 Jahren ein Haus gekauft haben, bleibe ich mit den Kids zu Hause und wir führen zwischendurch wenn nötig eine Wochenend-Ehe.
Wir wollten unsere Kinder nicht regelmäßig aus dem sozialen Umfeld reißen, ständig neue Freunde finden, neue Schulen besuchen und die Familie selten sehen.

So haben wir die Unterstützung meiner Schwiegereltern. Und sollte ich irgendwann wieder arbeiten gehen, muss ich mir um die Kinderbetreuung keine Gedanken machen, die Schwiegereltern übernehmen das mit Kusshand.


So, nun bin ich am Ende angelangt und hoffe, das war alles richtig so. Ist bei uns halt wohl etwas komplizierter als in anderen Soldatenfamilien. … zumindest müssen andere Dinge mit berücksichtigt werden.

Es ist ziemlich lang geworden glaube ich, ich habe mit dem Handy geschrieben, daher weiß ich es nicht so ganz genau…

Wenn du Fehler findest, darfst du sie behalten.

Jetzt bin ich gerade unsicher, ob ich nicht zu sehr auf mich selbst eingegangen bin, mein Mann ist ziemlich zu kurz gekommen, glaube ich.

Habe ich es wirklich richtig gemacht?

Trotzdem bin ich mal mutig und schicke die Email ab. Du kannst es ja dann entscheiden, ob es passt oder nicht…

Ich wünsche dir noch viele liebe Mitmacher bei deiner Blogparade.

Bei Fragen darf man mich gerne fragen. ☺

Ganz lieben Gruß
Jenny 


Liebe Jenny,

vielen, vielen lieben Dank für den Einblick in dein Leben. So kompliziert es manchmal scheint, du gehst deinen Weg und das finde ich ungemein Mutig und bewundere deine Kraft.

Du hast definitiv alles richtig gemacht und dein Mann kam nicht zu kurz. Es geht hier um DEIN Leben. Nicht nur um das deines Mannes.

Ich danke dir auch, dass ich das hier auf meinem Blog veröffentlichen darf.

Viele liebe Grüße und fühl dich gedrückt

Anne