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„Lieber Papa, bist du jetzt verrückt? – Mein Vater, seine Depression und ich“ von Katja Hauck

Dieser Titel reizte mich. Doch es fiel mir tatsächlich unwahrscheinlich schwer dieses Buch dann auch in die Hand zu nehmen und mir einen Einblick von der anderen Seite zu holen.

Ja, von der anderen Seite. Denn wie der Papa von Katja Hauck, bin auch ich Depressiv. Es gibt Tage an denen ich nur schwer vom Sofa hoch komme. Ich musste mir Techniken überlegen, um mein Leben in den Griff zu bekommen und nicht immer „flach zu liegen“. Oft frage ich mich, wie mein Sohn mit der Situation klar kommt. Oder ob er es vielleicht gar nicht wahrnimmt, wenn Mama mal wieder „verrückt“ ist.

So schlimm, wie es Katja und ihrem Vater erging ist es bei uns glücklicherweise nicht. Und ich gebe alles, damit es niemals soweit kommt.

Über „Lieber Papa, bist du jetzt verrückt? – Mein Vater, seine Depression und ich“ von Katja Hauck

Wusstet ihr, dass allein in Deutschland 3 Millionen Kinder mit psychisch kranken Eltern aufwachsen?

Auch sie brauchen Hilfe, um mit der Situation klar zu kommen und selbst keinen seelischen Schaden zu nehmen. Doch sie werden nicht selten allein gelassen.

Katja Hauck wurde eines morgens plötzlich aus der Schule gerissen und mit der traurigen Nachricht konfrontiert, dass ihr Vater, Uwe Hauck, einen Suizid-Versuch unternommen hat. Er überlebt, aber das Leben der damals 14-jährigen verändert sich.

Nun schreibt Katja, heute 16 Jahre alt, Briefe an ihren Vater, in denen sie die Möglichkeit hat, ihm ihre Ängste, Sorgen und Gedanken mitzuteilen. Und ihr Vater antwortet ihr, versucht seine Krankheit, seine Unsicherheiten und seinen Suizid, ja sich zu erklären.

Authentisch, emotional und absolut ehrlich.

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„Lieber Papa, bist du jetzt verrückt? – Mein Vater, seine Depression und ich“ von Katja Hauck

Meine Meinung zu „Lieber Papa, bist du jetzt verrückt? – Mein Vater, seine Depression und ich“ von Katja Hauck

Bei „Lieber Papa, bist du jetzt verrückt?“ handelt es sich mehr oder weniger um eine Ergänzung zum Buch „Depression abzugeben“ von Uwe Hauck. Berichtet Uwe Hauck noch schonungslos ehrlich über seine Erkrankung und versucht dadurch dieser ihr Stigma zu nehmen, wird in diesem Werk eine wichtige Seite betrachtet. Vielleicht sogar wichtiger als die aus Sicht eines Erkrankten.

Schon Erwachsenen fällt es schwer, dieses Thema zu begreifen. Es ist eben einfach keine offensichtliche, greifbare Krankheit wie ein gebrochenes Bein. Nur all zu oft werden Depressionen mit Lustlosigkeit oder dem Wunsch nach Aufmerksamkeit tituliert. Auch mir ging es so, dass andere es einfach nicht ernst nehmen wollten. Einschließlich meinem Mann. Doch es ist so viel komplexer. So viel schwieriger. Man selbst kann es schwer beschreiben, andere verstehen es nicht und irgendwo dazwischen gibt es noch jene, die es nicht verstehen können. Es ist eben wichtig Hilfe zu bekommen, ernst genommen zu werden und vor allem auch, dass die Krankheit früh genug als jene erkannt wird.

Wenn es nun schon Erwachsenen schwer fällt Depressionen zu verstehen, wie geht es dann wohl den Kindern aus dem Umfeld der Erkrankten?

„Lieber Papa, bist du jetzt verrückt? – Mein Vater, seine Depression und ich“ von Katja Hauck

Eine Frage, die ich mir vorher leider nie stellte. Ich war zu sehr damit beschäftigt, meine Psyche wieder in den Griff zu bekommen. Mein Leben eben zu ordnen und die Kraft zu finden nicht mehr „auf dem Sofa zu landen“.

Doch wie waren solche Momente für meinen Sohn? Hat er es begriffen? Oder war Mama einfach müde? Das ist schwer zu sagen. Als es seinen Höhepunkt erreichte, war er 5 Jahre alt und mein Mann im Einsatz.

Mittlerweile hat mich Katja Hauck für diese Seite sensibilisiert. Ihre vorsichtige Art an das Thema heran zu gehen und mittels Briefen mit ihrem Vater zu kommunizieren, eben der Sache auf den Grund zu gehen, finde ich so unglaublich wichtig. Denn auch Kinder müssen mit dieser Krankheit umgehen. Sie sind selbst nicht depressiv. Aber wenn es bei Mama oder Papa soweit ist, dass sie Emotionslos sind oder gar einen Suizidversuch unternehmen, dann hat es einen nachhaltigen Einfluss auf das Kind. Die Depression wird zu einem großen, rosa Elefanten, einem ständigen Begleiter, einer zusätzlichen Person in der Familie. Eine, die das bisherige Zusammenleben nachhaltig beeinflusst.

Die Kommunikation zwischen Katja und ihrem Vater ist herzzerreißend ehrlich, emotional und extrem authentisch. Es weckt die Aufmerksamkeit für eine Randgruppe, die nur all zu oft untergeht. Leider machen die Themenfülle und die Briefwechsel etwas schwer dieses Buch zu lesen. Doch wenn man sich an den Stil gewöhnt hat, lässt sich das Buch gut lesen. Gerade weil ich es auch unglaublich mutig finde, dass hier eine 16-jährige ebenso schonungslos ehrlich wie ihr Vater ist, kann ich nicht anders als diesem Buch 5 Sterne zu geben.

„Lieber Papa, bist du jetzt verrückt? – Mein Vater, seine Depression und ich“ von Katja Hauck

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„Lieber Papa, bist du jetzt verrückt? – Mein Vater, seine Depression und ich“ von Katja Hauck

Pro
– Weckt Aufmerksamkeit für Betroffene, die oft einfach vernachlässigt werden
– Herzzereißender Einblick

Con
– durch Briefwechsel und Themenfülle etwas schwerfällig zu lesen

Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 3431041205

Tags:
Anne

Teilzeit-Alleinerziehend, aktuell leidenschaftliche Hausfrau, manchmal überfordert, Mama eines zuckersüßen Buben, Soldatenfrau, ein wenig verrückt und mit ganz viel Herz ausgestattet.

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