Ich erwähnte es schon mehrfach. Mein Mann ist nun im Einsatz.

Achtung, jetzt folgt wohl jammern auf hohem Niveau. Immerhin müssen Angehörige von Marine-Soldaten ständig da durch. Und auch in der freien Wirtschaft mit Partnern, die auf Montage gehen, ist es sicher nicht anders. Doch für mich war es nach über 12 Jahren Beziehung absolutes Neuland und ich muss das nun einfach in Worte fassen.

Diese Zeilen hier habe ich vor einigen Tagen geschrieben. Und zwar an dem Abend als sein Flugzeug startete und ihn für so lange, so weit von uns weg bringt. Ich musste mir das einfach von der Seele schreiben. Also nehmt es mir bitte nicht krumm, wenn ich ausschweifend und sentimental werde. Denn mein Herz blutet und es geht mir einfach elend.

Nun ist er weg

Bereits an dem Tag als mein Mann mir das erste mal von dem Einsatzbefehl erzählte rutschte mir mein Herz in die Hose. Damals gab es noch ein ordentliches Durcheinander und jede Woche stellten wir uns auf eine neue Situation ein. Geht er? Geht er nicht? Letztendlich verschob sich der Termin um 2 Monate. Doch selbst da schaffte man es nicht einen festen Termin einzuhalten. Erst sollte es einen Tag eher losgehen, dann plötzlich startete das Flugzeug nicht. Wir hatten einige Tage Aufschub, aber mussten jeden Tag mit einem Anruf rechnen.

Und dann war es plötzlich soweit. Er telefonierte vorab mit den entsprechenden Stellen, am nächsten Abend sollte sein Flug gehen. Es stand fest.

Und ich hatte das Gefühl, dass mir mein Herz in der Kehle stecken bleibt. Es brach mir förmlich, während mein Mann noch neben mir saß.

Ja, es klingt als würde ich dramatisieren.

Auch ich belächelte oft die anderen Soldatenfrauen, die förmlich in unserer Facebook-Gruppe jammerten, dass ihr Partner – ihr Soldat – nun fort wäre.

Doch nun steckte ich selbst in dieser Situation. Es gibt so viele dort draußen, die auch durch diese Situation durch müssen. Und doch fühlte und fühle ich mich noch allein. Dabei saßen mit meinem Mann so viele andere im Flieger, die bis zuletzt per Smartphone den Kontakt zu ihren Lieben aufrecht hielten.

Ich schloss die Tür hinter ihm

Wir konnten ihn nicht begleiten. Er ließ sich von seinen Kameraden zum Flugzeug bringen. So musste ich die Tür hinter ihm schließen und war von einer Sekunde zur anderen mit unserem Sohn allein. Die Wohnung fühlte sich zu groß an. Einsam. Still. Nur das endlose Gequassel aus dem Kinderzimmer zeugte von Leben.

Und ich brach in Tränen aus.

Bisher versagte ich mir das. Bisher zeigte ich nur meine starke Seite. Doch nun konnte ich nicht mehr. Ein wichtiger Teil meines Lebens…einfach weg.

Vielleicht erwartete er, dass ich noch mal aus dem Fenster blicken würde. Und eigentlich wollte ich es auch. Aber ich konnte es nicht. Ich wollte mich nur noch unter einer Decke verkriechen, heulen und die Welt dort draußen aussperren.

Doch ich biss die Zähne zusammen, lauschte dem unverkennbaren Motorengeräusches unseres Autos (er fuhr damit zur Kaserne und lässt es bis zu seiner Rückkehr dort stehen) und bat unseren Sohn sich kurz in seinem Zimmer selbst zu beschäftigen. Meine Tränen bemerkte unser Kind nicht. Ich zog mich zurück, heulte mich aus und markierte dann wieder die Starke. Auch wenn ich mich einfach nur elend fühlte.

Unser 5-jähriger Sohn begreift es nicht

Mit einem Kinderfilm, etwas nähen sowie spielen mit unserem Sohn lenkte ich mich ein paar Stunden ab und schaffte es auch, mich wieder etwas zu fassen. Ich erschien wieder fast normal.

So machten wir auch noch einen Besuch in den Zoo. Mit der Jahreskarte ist das bei uns ja immer mal spontan möglich.

Wir waren eine Runde bei der Goldwäsche, über eine Stunde bei der Drachenburg und sahen auch endlich die nicht mehr ganz so kleinen Tigerjungen. Doch dann kamen wir an einem Honigstand vorbei. Denn derzeit dreht sich alles um das Thema Bienen im Leipziger Zoo und ein Stand mit entsprechenden Produkten passt einfach dazu.

„Wir müssen dem Papa Honig mitbringen!“

Es brach alles wieder über mir zusammen. Er war mittlerweile schon am Flughafen angekommen. Seine Maschine würde in wenigen Stunden starten. Er war weg.

Mit Kloß im Hals erklärte ich wohl zum Tausendsten Mal, dass der Papa für lange Zeit nicht wiederkäme. Unser Sohn fragte direkt ober der Papa in *********** (das Einsatzland) wäre. Ja. Aber er begreift es dennoch nicht. Ich zeigte es ihm mehrfach im Kalender. Wir schenkten ihm einen Globus, um ihm die Entfernung begreiflich zu machen. Wir sprachen immer wieder mit ihm darüber.

Er versteht es nicht. Er versteht uns nicht. Für ihn ist es so als ob der Papa jederzeit durch die Tür kommen könnte.

Ich warte nun auf den Tag, an dem er es begreift. Das kann jedoch noch etwas dauern.

Er steigt in den Flieger

Über den Tag verteilt schickten mein Mann und ich uns immer wieder Whatsapp-Nachrichten. Er zeigte mir, was Horst machen würde. Und auch seine Packeselchen sowie Chauffeure. Im Grunde war er noch nicht weg.

Doch jede Meldung, die sich um seinen Abflug drehte, versetzte mir einen neuerlichen Stich ins Herz. So wäre ich auch bald auf dem Spielplatz im Leipziger Zoo wie ein Häuflein Elend zusammengebrochen. Aber ich hielt mich tapfer und lenkte mich ab.

Als ich nun mein Kind ins Bett gesteckt hatte, war mir sofort klar:

Jetzt darfst du zusammen brechen. Jetzt darfst du heulen. Erst morgen musst du wieder tapfer und stark sein.

Und genau in dem Moment als mein Mann in seinen Flieger stieg, war es auch so weit. Ich weinte, weinte und weinte. Ich sitze weinend vor meinem iPad und schreibe diese Zeilen.

Ich fühle mich allein. Verlassen. Um einen wichtigen Teil gebracht.

Einzig das Wissen, dass er mit etwas Glück Ende des Jahres wieder heimkehrt, hält mich aufrecht.

Doch das ändert nichts an der Angst

An der Angst vor dem was ihm passieren könnte.

Die Maschine mit der er nun, jetzt wo ich dies schreibe, abhebt, steckte mehrere Tage wegen eines Defekts irgendwo in Europa fest. Was wenn dieser Defekt unzureichend behoben wurde? Was wenn die Maschine nicht ihr Ziel erreicht?

Und was ist wenn er in seinem Ziel aussteigt? Wie sicher ist er dort? Gibt es vielleicht auch in seinem Camp einen Bombenanschlag? Werden sie beschossen?

Diese Angst, dass irgendwann mir fremde Soldaten vor unserer Tür stehen und mir das sagen was ich niemals, wirklich niemals hören möchte, begleitet mich gerade jetzt wo er so weit weg ist in jeder Minute meines Alltags.

Vielleicht ist sie irrational. Vielleicht kann jemand von euch meine Angst nachvollziehen.

Also bitte entschuldigt, wenn ich hier so ausschweifend schreibe. Denn ich fühle mich einfach schlecht und muss diesem Gefühl ein Ventil bieten.

Und nein, mein Mann weiß nichts von all dem. Er liest auch kaum meinen Blog und wird daher wohl kaum über diese Zeilen stolpern. Wahrscheinlich auch besser so. Er muss sich aktuell auf ganz andere Sachen konzentrieren.